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Due Diligence bei Immobilien: Digitale Prüfung statt Aktenstapel

Die Due Diligence entscheidet darüber, ob ein Immobilienkauf eine fundierte Investition oder ein teures Risiko wird. Dieser Leitfaden erläutert die einzelnen Prüfbereiche, vergleicht den traditionellen mit dem digitalen Prozess und zeigt, welche Schritte sich automatisieren lassen.

Was ist Due Diligence beim Immobilienkauf

Due Diligence bedeutet sorgfältige Prüfung. Im Immobilienkontext umfasst sie die systematische Untersuchung aller rechtlichen, technischen, wirtschaftlichen und steuerlichen Aspekte einer Liegenschaft vor dem Kauf. Ziel ist es, verdeckte Risiken zu identifizieren, den Wert zu verifizieren und eine fundierte Kaufentscheidung zu ermöglichen.

In Österreich gibt es keine gesetzliche Pflicht zur Due Diligence. Die Sorgfaltspflicht des Käufers ergibt sich jedoch aus dem Grundsatz"caveat emptor" -- der Käufer trägt das Risiko für Mängel, die er bei zumutbarer Prüfung hätte erkennen können. Wer auf eine Prüfung verzichtet, riskiert den Verlust von Gewährleistungsansprüchen.

Die vier Säulen der Immobilien-Due-Diligence

1. Rechtliche Prüfung

Die rechtliche Due Diligence untersucht die Eigentumsverhältnisse, Lasten und Beschränkungen, die auf der Liegenschaft ruhen. Kernstück ist die Grundbuchprüfung.

  • A-Blatt (Gutsbestandsblatt): Beschreibung der Liegenschaft, Grundstücksnummern, Einlagezahl, Zuschreibungen und Abschreibungen.
  • B-Blatt (Eigentumsblatt): Aktueller Eigentümer, Eigentumsübergänge, Eigentumsanteile bei Miteigentum.
  • C-Blatt (Lastenblatt): Hypotheken, Pfandrechte, Dienstbarkeiten, Vorkaufsrechte, Veräußerungsverbote, Bestandrechte.

Besonderes Augenmerk verdienen eingetragene Dienstbarkeiten (z. B. Wege- und Leitungsrechte), Belastungs- und Veräußerungsverbote sowie Rangordnungen. Eine Löschung im Grundbuch kann Wochen dauern und den Kaufprozess verzögern.

2. Technische Prüfung

Die technische Due Diligence bewertet den Zustand des Gebäudes und der technischen Infrastruktur.

  • Energieausweis: Seit 2012 bei Verkauf und Vermietung verpflichtend. Er zeigt den Heizwärmebedarf (HWB) und den Gesamtenergieeffizienz-Faktor (fGEE). Ein schlechter Energieausweis deutet auf Sanierungsbedarf hin.
  • Baubewilligung und Benützungsbewilligung: Alle baulichen Maßnahmen müssen behördlich genehmigt sein. Nicht genehmigte Zubauten, Umbauten oder Nutzungsänderungen stellen ein erhebliches Risiko dar. Die Baubehörde kann den Rückbau anordnen.
  • Gebäudezustand: Dach, Fassade, Haustechnik (Heizung, Elektrik, Sanitär), Keller (Feuchtigkeit), Fenster, Wärmedämmung.
  • Altlasten: Bodenkontaminationen aus früherer Nutzung (Industrie, Tankstelle, Reinigung). Der Altlastenkataster des Umweltbundesamts gibt Auskunft.

3. Wirtschaftliche Prüfung

Die wirtschaftliche Analyse bewertet die Rendite und die Nachhaltigkeit der Investition.

  • Marktgerechte Bewertung durch Vergleichswertverfahren, Ertragswertverfahren oder Sachwertverfahren
  • Mieterlöse und Leerstandsquote bei vermieteten Objekten
  • Betriebskosten und Rücklagenstatus bei Wohnungseigentum
  • Instandhaltungsrückstau und erwartbare Sanierungskosten
  • Lageentwicklung und Infrastrukturprojekte im Umfeld

4. Steuerliche und regulatorische Prüfung

  • Flächenwidmung und Bebauungsplan: Der Flächenwidmungsplan definiert die zulässige Nutzung (Wohngebiet, Betriebsgebiet, Grünland, Bauland). Der Bebauungsplan legt Bauklasse, Bauweise und Gebäudehöhe fest. Änderungen der Widmung können den Wert erheblich beeinflussen -- positiv wie negativ.
  • Steuern: Grunderwerbsteuer, Immobilienertragssteuer bei Weiterverkauf (30 % auf den Veräußerungsgewinn), laufende Grundsteuer.
  • Denkmalschutz: Schutzstatus nach dem Denkmalschutzgesetz schränkt Umbaumöglichkeiten erheblich ein, kann aber Steuervorteile bei Sanierung bieten.

Traditioneller vs. digitaler Prozess

AspektTraditionellDigital (Phazan)
GrundbuchauszugBezirksgericht, 1–3 TageAutomatischer Abruf, Minuten
EnergieausweisBeim Verkäufer anfordernAutomatische Validierung
FlächenwidmungGemeinde-GIS, manuellGIS-API-Abfrage, automatisch
BaubewilligungBauakt bei Gemeinde, WochenDigitaler Bauakt (wo verfügbar)
AltlastenUmweltbundesamt-AnfrageAltlastenkataster-Abfrage
Gesamtdauer2–6 Wochen3–5 Werktage
DokumentationOrdner, E-Mails, PDFsStrukturierter Due-Diligence-Report

Die Due-Diligence-Checkliste

Die folgende Checkliste fasst die wesentlichen Prüfpunkte zusammen. Sie lässt sich auf der Phazan-Plattform als interaktive Prüfliste nutzen, bei der jeder Punkt einzeln abgearbeitet und dokumentiert wird.

Rechtlich

  • Grundbuchauszug (A-, B-, C-Blatt) vollständig einsehen
  • Eigentumsverhältnisse verifizieren
  • Eingetragene Lasten und Dienstbarkeiten prüfen
  • Bestehende Miet- und Pachtverträge analysieren
  • Vorkaufsrechte und Veräußerungsbeschränkungen identifizieren
  • Anhängige Rechtsstreitigkeiten abklären

Technisch

  • Energieausweis prüfen (HWB und fGEE)
  • Baubewilligung und Benützungsbewilligung abgleichen
  • Zustand von Dach, Fassade und Haustechnik dokumentieren
  • Feuchtigkeitsmessungen im Keller
  • Altlastenkataster abfragen
  • Schadstoffbelastung bei Altbauten (Asbest, PCB) prüfen

Wirtschaftlich

  • Marktwertgutachten einholen oder plausibilisieren
  • Betriebskostenabrechnungen der letzten drei Jahre analysieren
  • Rücklagenstatus bei Wohnungseigentum prüfen
  • Erwartbare Sanierungskosten kalkulieren
  • Renditeberechnung bei Anlageobjekten

Regulatorisch

  • Flächenwidmungs- und Bebauungsplan einsehen
  • Denkmalschutzstatus abklären
  • Anrainerrechte und Auflagen identifizieren
  • Grundverkehrsrechtliche Beschränkungen prüfen (bei land-/forstwirtschaftlichen Flächen)

Wie Phazan die Due Diligence automatisiert

Die Phazan-Plattform integriert die Due Diligence direkt in den Transaktionsworkflow. Sobald ein Kaufinteresse an einem Objekt signalisiert wird, startet der automatisierte Prüfprozess.

Automatisierte Dokumentenbeschaffung

Grundbuchauszüge werden über die digitale Grundbuch-Schnittstelle abgerufen. Flächenwidmungsdaten werden über GIS-APIs der jeweiligen Gemeinde oder des Landes bezogen. Der Energieausweis wird aus den Verkäuferunterlagen extrahiert und auf Plausibilität geprüft. Altlastendaten werden über den Kataster des Umweltbundesamts abgefragt.

KI-gestützte Analyse

Die gesammelten Dokumente werden von Phazans KI-System ausgewertet. Der Algorithmus identifiziert potenzielle Risikofaktoren: ungeklärte Eigentumsverhältnisse, eingetragene Belastungen, fehlende Genehmigungen, auffällige Energiekennwerte oder Widersprüche zwischen Grundbuch und Kataster.

Strukturierter Due-Diligence-Report

Das Ergebnis wird als strukturierter Report bereitgestellt, der in drei Kategorien unterteilt ist: bestanden (keine Auffälligkeiten), Hinweis (klärungsbedürftig, aber kein Ausschlusskriterium) und Warnung (potenzielles Risiko, Handlungsbedarf). Jeder Punkt enthält eine Erläuterung und eine Handlungsempfehlung. Der Report kann als PDF exportiert und an Finanzierungspartner weitergegeben werden.

Besonderheiten in Österreich

In Österreich gibt es einige länderspezifische Besonderheiten, die bei der Due Diligence berücksichtigt werden müssen:

  • Grundverkehrsrecht: In mehreren Bundesländern unterliegt der Erwerb von land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken einer Genehmigungspflicht durch die Grundverkehrskommission. Auch der Erwerb durch Ausländer kann eingeschränkt sein (Ausländergrunderwerbsrecht).
  • Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG): Bei geförderten Wohnungen gelten besondere Preisbindungen und Weitergabebeschränkungen.
  • Wiener Bauordnung: In Wien gelten besondere Bestimmungen für Zu- und Umbauten, insbesondere in Schutzzonen.
  • Raumordnung: Die Raumordnung ist Landessache. Die Flächenwidmungskategorien und Bebauungsplanregelungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet eine professionelle Due Diligence bei Immobilien?

Die Kosten variieren stark. Eine einfache Grundbuchprüfung kostet wenige hundert Euro. Eine umfassende technische und rechtliche Due Diligence für Gewerbeimmobilien kann 5.000 bis 20.000 Euro betragen. Phazan integriert die wesentlichen Prüfschritte direkt in den Transaktionsprozess und reduziert so den Aufwand erheblich.

Wie lange dauert die Due Diligence beim Immobilienkauf?

Im traditionellen Verfahren dauert eine vollständige Due Diligence zwei bis sechs Wochen, abhängig von der Komplexität der Liegenschaft und der Verfügbarkeit der Unterlagen. Digital unterstützte Prozesse auf Phazan verkürzen die reine Prüfzeit auf drei bis fünf Werktage, da Dokumente automatisiert abgerufen und ausgewertet werden.

Kann ich die Due Diligence selbst durchführen?

Grundlegende Prüfungen (Grundbuchauszug, Energieausweis, Flächenwidmungsplan) kann man selbst einholen. Für die rechtliche Bewertung von Grundbuchlasten, die Analyse von Altlasten oder die Prüfung baurechtlicher Genehmigungen empfiehlt sich jedoch professionelle Unterstützung. Phazan kombiniert automatisierte Dokumentenprüfung mit Experteneinbindung bei komplexen Sachverhalten.

Was passiert, wenn die Due Diligence Mängel aufdeckt?

Aufgedeckte Mängel führen typischerweise zu einer Kaufpreisanpassung, zur Vereinbarung von Gewährleistungszusagen oder zum Rücktritt vom Kauf. In der Angebotsphase auf Phazan können Erkenntnisse aus der Due Diligence direkt in die Verhandlung einfließen, bevor ein bindender Kaufvertrag entsteht.

Welche Dokumente braucht man für die Immobilien-Due-Diligence?

Die Kernunterlagen sind: Grundbuchauszug (A-, B- und C-Blatt), Katasterplan, Energieausweis, Baubewilligung, Benützungsbewilligung, Flächenwidmungs- und Bebauungsplan, Miet- und Pachtverträge (bei vermieteten Objekten), Betriebskostenabrechnung und Altlastenkataster. Phazan erstellt eine objektspezifische Checkliste und ruft verfügbare Dokumente automatisch ab.


Weiterführende Ratgeber